Viele Entscheider setzen Open Source mit „gratis“ gleich – oder mit Risiko. Beides greift zu kurz. Der Zusammenhang ist ökonomisch und regulatorisch: Wer den Quellcode betreiben und prüfen kann, steuert Datenflüsse und Wechselkosten selbst. Wer nur ein SaaS-Abo kauft, mietet Komfort – und oft die Hoheit über Daten, Schnittstellen und Preis.
Kosten: Lizenzpreis ist nicht TCO
Proprietary SaaS verschiebt Kosten in wiederkehrende Lizenzen, Seat-Modelle und Add-ons. Das ist planbar – bis Nutzerzahlen, Speicher oder Compliance-Module steigen. Dazu kommen versteckte Posten: Custom-Integrationen, die am Vendor kleben, und Exit-Kosten, wenn Datenformate oder APIs den Wechsel erschweren.
Open Source verschiebt Kosten in Betrieb, Kompetenz und Pflege: Hosting, Updates, Monitoring, Verantwortung für Patches. Dafür entfallen oft Seat-Steuern und Sie können Infrastruktur an tatsächliche Last koppeln. Der Vergleich lohnt sich erst, wenn Sie drei bis fünf Jahre TCO rechnen – inklusive eines realistischen Exit-Szenarios.
SaaS wirkt günstig, bis Exit, Volumen und Audit den Preis bestimmen – nicht Sie.
Datensouveränität: prüfen, hosten, begrenzen
Souveränität heißt nicht „alles selbst bauen“. Sie heißt: wissen, wo Daten liegen, wer sie verarbeitet und ob Sie den Pfad wechseln können. Open-Source-Komponenten (Linux, PostgreSQL, Kubernetes, Mail-Stacks, IAM) machen das nachvollziehbar: der Code ist inspizierbar, der Betrieb kann in der EU oder on-prem erfolgen, Subprozessoren lassen sich begrenzen.
Geschlossene Cloud-Dienste können DSGVO-konform sein – aber Transparenz und Verhandlungsmacht sind asymmetrischer. Wenn Audit, Behördenkunden oder sensible personenbezogene Daten den Ausschlag geben, ist ein selbst betriebener, dokumentierter Open-Source-Stack oft die belastbarere Grundlage.
Wann Open Source die bessere Korrelation liefert
Sinnvoll, wenn Datenhoheit, Planbarkeit oder Unabhängigkeit den Ausschlag geben: Kernsysteme (Identität, Mail, Datenbanken, Plattform), Integrationsschichten und alles, was Sie nicht morgen abschalten dürfen. Weniger sinnvoll als Selbstbau: Randfunktionen, in denen ein spezialisierter SaaS klar günstiger ist und Daten unkritisch sind.
Pragmatische Regel: Open Source dort, wo Lock-in teuer oder Souveränität Pflicht ist – gemanagt, gehärtet und mit klarem Betriebsmodell. Nicht als Ideologie, sondern als Kosten- und Risikohebel. Genau darin liegt die Korrelation: weniger Abhängigkeit von fremden Preis- und Datenmodellen, mehr Verantwortung im eigenen Betrieb.
